Brandschutz bei Objektmöbeln: was wirklich gefordert ist
Sobald ein Objekt eine gewisse Grösse hat, kommt die Frage nach dem Brandschutz. Meist in Form einer Abkürzung: RF2, BKZ 5.3 oder EN 1021. Diese Begriffe stammen aus unterschiedlichen Systemen, und wer sie auseinanderhalten kann, spart sich später Rückfragen.
Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen aus der Praxis eines Objekteinrichters. Verbindlich sind immer die Vorgaben der kantonalen Brandschutzbehörde und das Brandschutzkonzept Ihres Objekts.
Der wichtigste Punkt zuerst
Loses Mobiliar ist in den Schweizer Brandschutzvorschriften nicht direkt geregelt. Die Vorschriften betreffen Baustoffe und Bauteile, also das Gebäude. Ein Stuhl, den man wegtragen kann, gehört nicht dazu.
Anforderungen an Möbel entstehen deshalb auf einem anderen Weg: über das Brandschutzkonzept des Objekts, über Auflagen der Behörde oder vertraglich zwischen Bauherrschaft und Lieferant. Die richtige Frage lautet also nicht "welche Klasse braucht ein Stuhl", sondern "wer verlangt hier was".
Wann Brandschutz bei Möbeln doch zählt
Sobald etwas fest verbaut wird
Eine lose Sitzbank ist unproblematisch. Dieselbe Bank an der Wand verschraubt wird als Bauteil beurteilt, und damit gelten die Vorschriften direkt. Das betrifft auch Wandverkleidungen, Akustikelemente und eingebaute Tresen.
In Fluchtwegen
Korridore und Treppenhäuser müssen frei bleiben. Die Garderobe im Treppenhaus und die Bank im Fluchtkorridor sind Themen, die früh geklärt gehören.
In Räumen ab 300 Personen
Hier gibt es eine klare Regel: fest montierte Sitzgelegenheiten müssen mindestens RF2 erfüllen, nicht fest montierte Bestuhlung mindestens RF3. Das betrifft Mehrzweckhallen, Säle und Kongressräume, nicht das Restaurant mit 80 Plätzen.
Wenn es im Vertrag steht
Der häufigste Fall. Bauherrschaft oder Versicherung verlangen eine Einstufung, auch wenn die Vorschriften sie nicht zwingend fordern. Das ist zulässig und muss erfüllt werden.
RF1 bis RF4 in einem Absatz
Seit 2015 werden Baustoffe in vier Brandverhaltensgruppen eingeteilt. RF steht für réaction au feu, die Abkürzung wird in allen Sprachregionen gleich verwendet.
RF1 kein Brandbeitrag, etwa Glas, Beton, Metall
RF2 geringer Brandbeitrag, etwa Eichenholz oder brandschutzbehandelte Stoffe
RF3 zulässiger Brandbeitrag, die meisten übrigen Holzarten
RF4 unzulässiger Brandbeitrag
Der Zusatz cr bedeutet kritisches Verhalten, etwa brennendes Abtropfen. RF3 (cr) ist also strenger zu beurteilen als RF3.
Und was heisst BKZ 5.3?
Die Brandkennziffer ist das frühere Schweizer System. Die erste Ziffer steht für die Brennbarkeit, die zweite für die Rauchentwicklung. Bei beiden gilt: je höher die Zahl, desto besser. BKZ 5.3 heisst also schwer brennbar mit geringer Rauchentwicklung.
In den Vorschriften wird die Brandkennziffer seit 2015 nicht mehr verwendet, in Produktunterlagen taucht sie aber weiterhin auf. Übersetzt entspricht BKZ 5.3 der Gruppe RF2.
| Brandverhaltensgruppe | Entsprechende Brandkennziffer BKZ |
|---|---|
| RF1 | 6.3, 6q.3 |
| RF2 | 5.3, 5.2, 5(200 °C).3, 5(200 °C).2 |
| RF2 (cr) | 5.1, 5(200 °C).1 |
| RF3 | 4.3, 4.2 |
| RF3 (cr) | 4.1 |
| RF4 | 3.3, 3.2 |
| RF4 (cr) | 3.1 |
| kein Baustoff | alle Werte mit 1.y und 2.y |
Der Zusatz cr steht für kritisches Verhalten im Brandfall, etwa brennendes Abtropfen oder starke Rauchentwicklung. Grundlage: VKF Brandschutzrichtlinie 13-15, Zuordnungstabelle 2.4.4.
| Norm | Herkunft | Was sie prüft |
|---|---|---|
| BS 5852 Crib 5 | Grossbritannien | Entzündbarkeit von Polstermöbeln mit stärkerer Zündquelle, häufig von internationalen Hotelketten verlangt |
| DIN 4102 B1 | Deutschland | Schwer entflammbar. In der Schweiz nicht massgebend, taucht aber in Herstellerunterlagen auf |
| California TB 117 | USA | Entflammbarkeit von Polstermaterialien. In der Schweiz ohne Bedeutung |
EN 1021 und EN 13501-1 sind nicht dasselbe
Diese beiden Normen werden oft als Alternativen gelesen. Sie prüfen aber Verschiedenes.
EN 1021 prüft, ob sich ein Polstermöbel an einer glimmenden Zigarette (Teil 1) oder an einer Streichholzflamme (Teil 2) entzündet. Geprüft wird der fertige Polsteraufbau.
EN 13501-1 klassifiziert das Brandverhalten von Bauprodukten und liefert die Euroklassen wie B-s1,d0. Daraus lässt sich eine RF-Gruppe ableiten.
Ein Zeugnis nach EN 1021 ergibt also keine RF-Einstufung. Wenn ein Projekt eine RF-Gruppe verlangt, hilft es nicht weiter. Klären Sie deshalb vor der Bemusterung, welcher Nachweis am Ende gebraucht wird.
Was Sie vom Lieferanten verlangen sollten
Das Zeugnis auf die konkrete Kombination
Bei Polstermöbeln reicht ein Zertifikat für den Bezug nicht. Geprüft werden muss der Aufbau aus Bezug, Schaum und Unterkonstruktion in genau der bestellten Zusammensetzung.
Ein aktuelles Dokument
Prüfzeugnisse laufen ab und werden bei Rezepturänderungen hinfällig. Ein Zertifikat von 2017 ist kein Nachweis für eine Lieferung von heute.
Die RF-Gruppe im Klartext
Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welcher Gruppe das Produkt zugeordnet wird, nicht nur nach welcher Norm geprüft wurde.
Klarheit über lose oder fest
Halten Sie fest, ob montiert wird. Das entscheidet, ob das Möbel als Mobiliar oder als Bauteil beurteilt wird.
Gilt schon die neue Fassung?
Nein. Es gilt weiterhin die Ausgabe von 2015. Die angekündigte Revision ist verschoben, eine Inkraftsetzung wird frühestens 2027 behandelt. Wer heute plant, plant nach der aktuellen Fassung.
FAQ
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Loses Mobiliar ist in den Brandschutzvorschriften nicht direkt geregelt. Anforderungen entstehen über das Brandschutzkonzept, über Behördenauflagen oder vertraglich. Eine Ausnahme sind Räume ab 300 Personen.
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Schwer brennbar mit geringer Rauchentwicklung. Die Brandkennziffer wird in den Vorschriften seit 2015 nicht mehr verwendet, BKZ 5.3 entspricht der Gruppe RF2.
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RF2 bedeutet geringer Brandbeitrag, RF3 zulässiger Brandbeitrag. RF2 ist die strengere Anforderung.
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Nein. Geprüft werden muss der gesamte Polsteraufbau aus Bezug, Schaum und Unterkonstruktion in der bestellten Kombination.
Sie planen ein Objekt mit Brandschutzauflagen?
Wir klären mit den Herstellern, welche Nachweise für Ihr Projekt tatsächlich lieferbar sind, und beraten Sie kostenlos. Auf Wunsch mit Bemusterung bei Ihnen vor Ort.

